Schmal und schief - Architektur in Amsterdam

Amsterdam ist eine der architektonisch schönsten Städte Europas. Die größte Besonderheit ist der Grachtengürtel, der seit 2010 zum Unesco-Welterbe gehört. Im Überblick erfährst du alles über historische und moderne Architektur in Amsterdam.

Moderne Grachtenhäuser - Borneo Sporenburg - Foto von Fred - CC

Historisch gesehen hatte der Grachtengürtel große Auswirkungen auf das heutige Erscheinungsbild der Stadt. Damals wurde die Steuer für ein Gebäude nach der Breite, das es an der Gracht einnahm berechnet.

Architektur im historischen Amsterdam

Um Steuern zu sparen baute man also Häuser mit einer schmalen Vorderfront, die dann dafür aber relativ hoch und lang waren.

Historische Grachtenhäuser in Amsterdam - Foto von Alexander - CC

Durch die schmale Bauweise der Gebäude, waren die Treppenhäuser zu schmal für sperrige Gegenstände. Aus diesem Grund haben viele der historischen Häuser in Amsterdam einen vorstehenden Balken am Giebel, an dem ein Flaschenzug befestigt werden kann.

Warum sind die Häuser in Amsterdam so schief?

Das liegt daran, dass die Häuser wegen des sumpfigen Untergrundes auf Holzpfählen gebaut werden mussten. Die Pfähle verrotteten mit der Zeit und der Untergrund sackte zum Teil etwas ab, was dazu führte, dass viele Häuser in Schieflage gerieten. Heute sind die Pfähle aus Beton.

Charakteristisch sind auch die vielen verschiedenen Giebelformen. Es lohnt sich, den Kopf in den Nacken zu legen und die verschiedenen Formen zu betrachten. Kein Giebel gleicht dem anderen. So gibt es z.B. Treppengiebel, Glockengiebel oder Schnabelgiebel.

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Amsterdamer Schule - Backsteinexpressionismus

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Amsterdam die sogenannte „Amsterdamer Schule“ - Ein expressionistischer Architekturstil der klassischen Moderne.

Het Schip - Backsteinexpressionismus - Foto von Guilhem Vellut - CC

Charakteristisch für die Amsterdamer Schule ist z.B. die starke Unterteilung der Fassade mit Fenstern und Flächen aus verschiedenen Materialien. So wirken auch sehr große Gebäude nicht ganz so massiv. Außerdem hatten die Architekten der Amsterdamer Schule ein Faible für orangerote Backsteine. Das brachte ihrer Arbeit den Spitznamen „Backsteinexpressionismus“ ein.

Führende Köpfe der Amsterdamer Schule waren die Architekten Piet Kramer, Johan van der Mey und Michel de Klerk. Gebäude im Stil der Amsterdamer Schule findet man in der ganzen Stadt. Bekannte Beispiele sind das Scheepvaarthuis (1913 bis 1916) und Het Schip (1917 bis 1921).

Moderne Architektur in Amsterdam

Auch für Liebhaber zeitgenössischer Architektur, hat Amsterdam so einiges zu bieten. So entstanden in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele interessante, moderne Gebäude von hochkarätigen Architekten aus der ganzen Welt.

Tipp

Für Architekturbegeisterte lohnt sich ein Besuch im Architekturzentrum (ARCAM). Das Gebäude liegt im Zentrum, der Eintritt ist kostenlos. Das ARCAM-Gebäude selbst ist ein großartiges Beispiel für moderne Architektur.

Die moderne Architektur der Stadt zeigt sich offen und experimentierfreudig - typisch Amsterdam. Ein gutes Beispiel für zeitgenössische Architektur in Amsterdam sind die Silodam Housing Silos. Die Fassade des 20 Stockwerke hohen Gebäudes erinnert an gestapelte Frachtcontainer und passt perfekt in die Hafenumgebung.

Silodam - Foto von Andrea de Poda - CC

Im Silodam gibt es 157 Apartments und einige Büroräume. Besonders interessant ist das experimentelle Raumkonzept - da die Wände im Gebäude frei verschoben werden können, ist jede Wohneinheit einzigartig.

Beispiele für moderne Architektur in Amsterdam:

  • Silodam Housing Silos
    Wohn- und Bürogebäude. Siehe Bild oben, westlicher Hafen
  • ARCAM
    Architekturzentrum, Prins Hendrikkade 600
  • Kop van Diemenstraat
    Büros, Wohnungen, Van Diemenstraat 2
  • The Whale
    Wohnungen, Baron G. A. Tindalplein 1
  • ING House
    ING Hauptsitz, Amstelveenseweg 500
  • IJ Tower
    Wohnungen, Oostelijke Handelskade 1213
  • Movenpick Hotel
    Hotel, Piet Heinkade 11
  • Neuer Flügel des Van-Gogh-Museum in Amsterdam
    Museum, Museumplein 6

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