Die spannende Geschichte von Amsterdam im Überblick

Amsterdam ist eine richtig alte Stadt. Bereits im Jahr 1 250 siedelten sich im Bereich des heutigen Stadtgebietes von Amsterdam die ersten Bauern und Fischer an. Goldenes Zeitalter, Bier, Wunder und Tulpenmanie - hier erfährst du alles über Amsterdams turbulente Stadtgeschichte.

Das Stadtzentrum von Amsterdam um ca. 1900

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass bereits zur Römerzeit Menschen im heutigen Stadtgebiet lebten.

Der harte Kampf mit Schlamm und Sumpf

Um 1 250 gab es in dieser Gegend fast nur feuchte Sümpfe und Moore. Alles in allem war das Gebiet nur sehr schwer zu bebauen. Die Menschen mussten sich mit Pfählen abmühen, um dem feuchten Boden etwas Bauland abzuringen.

Aus Amstel und Dam wird Amsterdam

Amsterdam verdankt seinen Namen einem Damm (früher kurz „Dam“ genannt) an der Amstel (die Amstel ist ein großer Fluß, der durch Amsterdam fließt). Amsterdam bedeutet also so viel wie „Damm an der Amstel“.

Der Dam-Platz um 1900

Den „Dam“ gibt es übrigens noch - genau im Zentrum. Heute befindet sich an der Stelle, an der einst der namensgebende Damm lag, ein großer Platz namens „Dam“.

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Bier, Fisch und Wunder - Vom Fischerdorf zur Metropole

Die kleine Siedlung an der Amstel entwickelte sich von jetzt an prächtig und wurde immer größer. Die Menschen lebten hauptsächlich vom Handel mit Bier und vom Fischfang, außerdem entstand ein kleiner Hafen. 1275 wurde Amsterdam dann erstmals urkundlich erwähnt.

In den folgenden 100 Jahren der Amsterdam Geschichte legte die Stadt einen kometenhaften Aufstieg hin und wurde eine der top Handelsstädte Europas. Der Erfolg hatte, unter anderem, folgende Gründe:

  • 1323 wurde das Zollrecht für Hamburger Bier an Amsterdam verliehen
    Die Stadt verdiente prächtig an den hohen Zolleinnahmen für das damals sehr beliebte Bier aus Deutschland.
  • 1345 wurde Amsterdam schlagartig zu einer wichtigen Pilgerstadt
    Der Legende nach fand in diesem Jahr das "Mirakel van Amsterdam" (auch Hostienwunder genannt) statt. Durch die Massen an Pilgern stieg die Bevölkerung rasant.
  • 1369 trat Amsterdam der Hanse bei
    Die Hanse war ein zur damaligen Zeit einflussreicher, deutscher Handels- und Städteverbund.

Bei all dem Erfolg müssen auch die negativen Seiten der Stadtgeschichte erwähnt werden. Es war nicht immer alles Friede, Freude Eierkuchen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt

XXX - Brände, Pest und Klassenkampf

Der Schwarze Tod – die Pest – machte auch vor Amsterdam nicht halt. Um 1350 gab es einen starken Ausbruch mit tausenden Toten.

Auch Brände machten den Amsterdamern das Leben schwer. Damals waren die meisten Häuser aus Holz gebaut und die Dächer mit Stroh gedeckt. Wenn ein Feuer ausbrach, brannten die Häuser wie Zunder. Selbst kleine Brände konnten sich schnell in ein riesiges Flammeninferno verwandeln.

Im Jahre 1421 gab es einen der verheerendsten Brände. Nach dieser Katastrophe durften nur noch Häuser aus Stein gebaut werden. Die tragische Zeit im Mittelalter spiegelt sich im Amsterdam Wappen wieder.

Die drei Kreuze im Amsterdam-Wappen stehen für Flut, Feuer und Pest

Neben Naturkatastrophen und Pest-Epidemien gab es auch soziale Spannungen innerhalb der Bevölkerung Amsterdams. Kaufleute von außerhalb lehnten sich gegen den Adel und die zu dieser Zeit alles beherrschende katholische Kirche auf.

Goldenes Zeitalter - Tulpenmanie & kometenhafter Aufstieg

1581 begann das Wirtschaftswunder in den Niederlanden. Das „Goldene Zeitalter“, wie es die Holländer nennen, dauerte fast 100 Jahre (bis 1672) - ein goldener Höhepunkt in der Geschichte von Amsterdam.

Ein Familienportrait aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Amsterdam war zu dieser Zeit das Zentrum des Handels und der Seefahrt. Amsterdamer Seeleute segelten in die ganze Welt (z.B. Nordamerika, Brasilien, Afrika) und schufen so den Grundstein für unser heutiges, weltweites Handelsnetzwerk.

Verrückte Zeiten - wie in einer Seifenoper

Der weltweite Handel bescherte den Niederlanden eine beispiellose wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

Die wichtigsten Fakten zum goldenen Zeitalter:

  • Beispielloser Aufstieg
    Ein Land mit nicht einmal zwei Millionen Einwohnern, unbedeutender, landwirtschaftlicher Produktion und ohne eigenen Rohstoffe wird zur führenden Weltmacht des 17. Jahrhunderts.
  • Gepfefferte Gewinne
    Vor allem der hochprofitable Handel mit Gewürzen ließ die Kassen in Amsterdam klingeln. Pfeffer, Nelken, Muskat und Zimt wurden mit Handelsschiffen aus den Kolonien importiert und in ganz Europa verkauft.
  • Kultur am Fließband
    Mehr als 700 Maler malten jährlich ca. 70 000 Bilder. Insgesamt entstanden mehrere Millionen Gemälde. Das ist einmalig in der Kunstwelt. Bekannteste Vertreter: Rembrandt und Vermeer.
  • Religiöse Toleranz
    Die damals herrschende Religionsfreiheit zog Schriftsteller und Gelehrte an, die frei publizieren und lehren konnten. Amsterdam war also schon damals multikulti.
  • Tulpenwahn
    Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden Tulpen zum absoluten Verkaufsschlager. Besonders Aristokraten und Gelehrte waren verrückt nach den edlen Blumen. Aufgrund der großen Nachfrage wurden Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt. Auf dem Höhepunkt dieser sog. „Tulpenmanie“ konnte man für zwei Tulpenzwiebeln ein ganzes Haus kaufen. Die Tulpenmanie gilt als erste Spekulationsblase in der Wirtschaftsgeschichte.
  • Weltweites Finanzzentrum
    Auf dem Höhepunkt des goldenen Zeitalters war Amsterdam die drittgrößte Stadt Europas und hatte den größten Hafen der Welt.

Niedergang im 18. Jahrhundert

Nach dem beispiellosen, wirtschaftlichen Aufstieg im goldenen Zeitalter mussten die Amsterdamer, im 18. Jahrhundert, den langsamen Verfall ihrer Stadt mit ansehen.

Die Gründe für den Abschwung waren vielfältig. Ein wichtiger Grund war die verstärkte Konkurrenz durch andere Kolonialstaaten wie England, Frankreich und Russland. Der vierte Seekrieg mit England (1780 - 1784) schwächte die Wirtschaft - eine bittere Zeit in Amsterdams Stadtgeschichte.

1795 wurden die Niederlande schließlich von Frankreich erobert

Als Napoleon 1806 die sog. Kontinentalsperre verhängte (Wirtschaftsblockade der britischen Inseln) war der Niedergang Amsterdams besiegelt. Großbritannien war bis dahin einer der wichtigsten Abnehmer niederländischer Waren. Die Blockade war eine Katastrophe für den Handel.

Nach dem Abzug der Franzosen im Jahre 1814 war Amsterdam völlig verarmt und nur noch eine bedeutungslose Marktstadt. Die Weltmeere wurden jetzt von den Briten beherrscht.

Zweiter Weltkrieg - Trauriger Tiefpunkt in der Geschichte von Amsterdam

Am 10. Mai 1940 wurden die bis dahin neutralen Niederlande von Deutschland überfallen. Vier Tage später erfolgte die Kapitulation.

Damals wohnten die meisten der niederländischen Juden in Amsterdam. Nach einer Razzia gegen die jüdische Bevölkerung im Februar 1941 gingen die Amsterdamer auf die Barrikaden. Es gab Streiks und Massenproteste. Vom reichen Bankier bis zum einfachen Hafenarbeiter:

Bürger aus allen Schichten setzten sich für ihre jüdischen Mitmenschen ein

Leider wurden die Proteste wurden schon am nächsten Tag brutal niedergeschlagen. In den folgenden Jahren blieb der öffentliche Widerstand schwach. Die Menschen hatten Angst und jeder, der sich auflehnte musste um sein Leben fürchten.

Viele Amsterdamer versteckten jüdische Mitbürger

Berühmtestes Beispiel: Anne Frank, deren Tagebuch aus dieser Zeit später weltberühmt wurde. Sie versteckte sich in einem Hinterhaus der Prinsengracht. Dabei gingen ihre beschützer ein großes Risiko ein – Die Amsterdamer Polizei arbeitete eng mit den Nazis zusammen. Wer erwischt wurde, musste mit der Todesstrafe rechnen.

Trotz des selbstlosen Einsatzes vieler Amsterdamer wurden bis 1943 fast alle 100 000 in Amsterdam lebenden Juden deportiert und ermordet.

Gegen Ende des Krieges wurden in Amsterdam die Lebensmittel knapp. Der Winter 1944 / 1945 ging als „Hungerwinter“ in die Geschichte ein. 20 000 Menschen starben an den Folgen von Kälte und Unterernährung.

Der Dam-Platz am 7. Mai 1945 - Amsterdamer verstecken sich vor den Kugeln deutscher Soldaten

Amsterdam wurde erst kurz nach der Kapitulation des Naziregimes, am 5. Mai 1945, von den Alliierten befreit. Noch Tage nach der offiziellen Befreiung schossen deutsche Soldaten auf feiernde Menschen auf dem Dam-Platz - 22 Menschen starben.

Toleranz und Vielfalt - Das moderne Amsterdam

Nach dem Krieg erholte sich Amsterdam langsam und wandelte sich im Laufe der Jahre zur Industriestadt. Vor allem der Handel mit Diamanten, der Schiffsbau und die Auto- und Flugzeugproduktion brachten die Wirtschaft in Schwung.

Offen, modern und entspannt - Sommer im Jordaan-Viertel

Während der kulturellen Revolution der 60er und 70er Jahre wurde Amsterdam zur inoffiziellen, europäischen Hauptstadt der Hippies. Während dieser Zeit wurden weiche Drogen, wie Marihuana, legalisiert und Hausbesetzungen waren an der Tagesordnung.

In den 80er Jahren änderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung. Viele ältere Amsterdamer zogen aufs Land und ehemalige Arbeiterviertel, wie der Jordaan, wurden „hip“ – und vor allem von jüngeren Menschen bevölkert.

Kulturelle Vielfalt - Amsterdam wird bunt

Der relative Wohlstand und die Sicherheit in den Niederlanden zog seit jeher Einwanderer an. Zunächst kamen die Zuwanderer aus den von den Niederlanden besetzten Kolonien. In den 70er und 80er Jahren wurden Gastarbeiter für die boomende Wirtschaft angeworben.

Noch heute bilden Einwanderer aus Ländern wie Marokko, der Türkei, oder Pakistan, einen signifikanten Teil der Einwohner Amsterdams. Gerade die bunte Mischung der verschiedenen Kulturen macht den Charme Amsterdams als multikulturelle und offene Metropole aus.

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